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Gepostet on Sep 2, 2014

Ein kleiner Schwank aus meiner Jugend

Ein kleiner Schwank aus meiner Jugend

Wie ich ja bereits gestern im Stream angekündigt hatte, möchte ich heute ein klein wenig aus dem Nähkästchen meiner glorreichen Zeit der Jugendsünden plaudern und mit einer Geschichte aus meiner Schulzeit beginnen.
Zum Beispiel damit, wieso es so schlecht um meine Manazählkünste bestellt ist.
Alles begann damit, das ich mich vehement weigerte meine Mathehausaufgaben anzufertigen. Eine etwa drei Jahre lange Phase, voll stoischer Dickköpfigkeit, hartnäckigem Zerren um den Platz am längeren Hebel und vor allem aber einer gehörigen Portion notorischer Faulheit. Ja, ab der 8. Klasse weigerte ich mich vehement meine Mathehausaufgaben zu machen. Mal abgesehen von einer kurzen Phase in der mich meine Eltern zu einem sündhaft teuren Nachhilfelehrer schickten, bin ich damit auch ganz gut durchgekommen.
Wie es dazu kam, sollte ich jedoch besser von vorne erzählen, denn alles begann tatsächlich mit einem kleinen, jedoch folgenschweren Stromschlag an meinem ersten Schultag in der Realschule.
Wir alle waren damals neu an dieser Schule. Zuvor gingen wir zur Grund- und Orientierungsstufe, welche in einem anderen Schulkomplex, etwa 2 Kilometer entfernt lag. Downtown sozusagen, aber das gehörte nun der Vergangenheit an. Ab jetzt gehörten wir zu den Großen. Wir verließen die wohlbehütete Orientierungsstufe und besuchten von nun an die Sekundarstufe I. Je nach Empfehlung. Entweder fürs Gymi, für Haupt, oder eben Real. Eine Gymnasiale Laufbahn hätte mir wohl aus heutiger Sicht eine Menge Zeit gespart, aber Umwege erhöhen ja bekanntlich die Ortskenntnis. Von all dem ahnte ich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nichts. Meine Prioritäten lagen da vorerst anders. Auf dem Gymi war ja schon schon meine große Schwester und da meine Mutter obendrein auch noch im angrenzenden Internatsgymnasium arbeitete und unsere Familie zudem eine der dortigen Dienstwohnungen bewohnte, konnte meine zukünftiger schulischer Wirkungskreis gar nicht weit genug von all dem entfernt sein. Also empfahl ich mich seinerzeit für die reale Variante auf der Haupt- und Realschule am Mühlenberg. Uptown sozusagen. Beide Schulformen waren in einem Gebäude zusammengefasst, auf dem höchsten Punkt des kleinen Ortes, mit Seeblick und in einem zweckmäßig gehaltenen Neubaukomplex. So wie man das kennt. Schulhof, Schulgebäude mit einem Obergeschoss, Alufenster, Sportplatz und angrenzende Turnhalle. Für uns war das alles neu und aufregend. Noch waren wir ja die Kleinen, aber eben ab heute zusammen mit den Großen und irgendwann, soviel stand schon mal fest, würden wir die Großen sein. Würden auch mit dem Moped zur Schule fahren, auf dem Pausenhof mit Mädchen rum knutschen und all die coolen Sachen machen, die die Großen eben den ganzen Tag so machen.

Damals an unserem ersten Schultag lernten wir auch schon etwas. Nämlich unseren Klassenlehrer kennen. Klassenlehrer hieß in unserem Falle auch Mathe-, Erdkunde- und Sportlehrer. Vollbärtiger Typ, der Genauigkeit beim Rechnen forderte, einem Geographie durch fleißiges Auswendiglernen näher brachte und im Sport Disziplin verlangte.
K.Z.T.T. pflegte er stehts zu sagen und meinte damit KonZenTraTion. Seine Lehrmethoden und pädagogischen Ansätze sollten wir jedoch erst später kennen lernen. Zunächst galt es am ersten Schultag sich gegenseitig kennen zulernen, den Stundenplan zu erhalten und das Schulgelände zu checken. Dafür führte uns unser Klassenlehrer zunächst durch das Gebäude. Der Klassenlehrer erklärte und wir trotteten in losen Gruppen hinterher und sahen uns alles genau an. Ich hielt mich dabei jedoch eher an Carsten. Carsten war neu in unserer Truppe. Ihm hatte die 7. Klasse so gut gefallen, das er sie gleich noch einmal besuchte. Oder besuchen musste. Wie auch immer. Seine Ausführungen bezüglich der Begebenheiten des Schulgeländes fand ich sehr viel spannender als die unseres neuen Klassenlehrers. Schwadronierte dieser minutenlang über die Örtlichkeiten von Bio- und Chemieräumen, erklärte uns Carsten wo man die geheimen Raucherecken finden konnte, wo und wie man am besten auf dem Schülerklo Bücher und Spickzettel für Klassenarbeiten versteckte und lauter so Zeug. Carstens Ausführungen boten weit aus bessere Unterhaltung als die meines neuen Lehrers. Mit einem solchen Witzbold in der Klasse versprach es eine angenehme Schulzeit zu werden. Seltsamerweise finden die Rabauken und Quatschköppe immer recht schnell zusammen. Irgendwie haben die für so etwas ein Auge. Unser neuer Klassenlehrer schien für solcherlei Dinge allerdings auch ein Auge zu haben. Jedenfalls behielt er Carsten und mich im selbigen, denn auch ihm blieb nicht verborgen, das sich unter seinen neuen Schützlingen zwei erstklassige Entertainer befanden. Zwei die es verstanden, den übrigen Klassenkameraden bessere Unterhaltung zu bieten, als er es mit seinem Lehrstoff je tun könnte.
Besonders deutlich wurde dies, als uns unser Klassen-, Mathe-, Erdkunde- und zukünftiger Sportlehrer von der Turnhalle zum Kunstrasenbolzplatz führte. Er erklärte: Kunstrasenplatz, kleine Fußballtore, Basketballkörbe blablabla irgendwas mit schönem Wetter, großer Spaß, blablabla…. Langeweile pur. Carsten hingegen, erklärte mir die wahren Vorzüge dieses Kunstrasenplatzes. Wenn man nämlich seine Turnschuhe auf dem Kunstrasen hin und her rieb, wurden diese elektrisch aufgeladen. Sobald man nun mit dem Finger, die Haut eines seiner Mitschüler berührte, machte es Briezzzzz und man bekam schön eine gewischt. Als mir Carsten dieses am meinem Arm demonstrierte, muss ich wohl laut “Whaggg” oder etwas Ähnliches von mir gegeben haben. Entweder vor Schreck oder aber vor Begeisterung. Unserem Lehrer entging dies Ausruf natürlich nicht und wir ernteten einen ersten bösen Blick und eine erste Ermahnung – Weitere sollten folgen.
Diesen grandiosen Elektriktrick wollte ich natürlich sofort selbst ausprobieren. Am Bein einer meiner neuen Mitschülerin. Ihr kurzer Rock und ihre Schenkel sahen einfach zu einladend aus und so rieb ich meine Turnschuhe am Kunstrasen, so das diese eine ordentliche Ladung hervorbrachten und schlich mich von hinten an sie heran. Nach einem kurzen Briezzzzz folgte auch bei ihr ein lautes “Whaggg”. Ja, man konnte sagen zwischen dem Mädchen und mir hatte es gefunkt. Der nächste böse Blick und die nächste Ermahnung folgte auf dem Fuße. Ohne es zu ahnen lernte ich in diesem Moment meine erste mathematische Formel. Oder war es eine Gleichung? Egal, Mathe war eh nie meine Stärke. Jedenfalls stellten Carsten und ich fest:
Briezzzzz + “Whaggg” = Spaß²
Das Ganze mussten wir natürlich gleich noch einmal ausprobieren. Wir rieben unsere Turnschuhe so doll es ging am Kunstrasen, um eine möglichst große Ladung für unseren nächsten Schlag vorzubereiten. Dem wachsamen Auge unses immer ärgerlicher werdenden Klassenlehrers entging unser Herumgeschlurfe auf dem Kunstrasen natürlich nicht. Uns entging jedoch, das er sich von hinten näherte und als er uns zwei elektrisch geladene Schlingel am Arm packen wollte, machte es Briezzzzz, Briezzzzz und gleich darauf ziemlich laut “Whaggg”. Zudem führte uns unser neuer Sportlehrer einen elegant ausgeführten und durchaus als beeindruckend zu beschreibenden Hechtsprung vor. Er hüpfte aus dem Stand weit über einen Meter. Sowohl hoch als auch weit. Ohne Anlauf, nur vom Schreck. Die komplette Klasse tat es ihm gleich und sprang ebenfalls – vor Freude. Das Gelächter war laut. Laut und lang anhaltend.
Thats Entertaiment, baby. And the show must go on! For the next 4 years!
Applaus, Verbeugung, Vorhang! Danke für die großartige Show!
An unserem ersten Schultag hatten wir eine Menge Spaß. Aber der Spaß hatte einen Preis. In nur knapp 3 Stunden hatten wir es geschafft, es uns komplett mit unserem neuen Lehrer zu versauen.
Von nun an würde er uns auf Sicht haben. Soviel stand schon einmal fest.
Es sollten 4 lange Jahre werde, aber auch 4 lustige Jahre. 4 Jahre mit stoischer Dickköpfigkeit, hartnäckigem Zerren um den Platz am längeren Hebel und vor allem einer gehörigen Portion notorischer Faulheit. Dies alles wegen eines kleinen, jedoch folgenschweren Stromschlages an meinem ersten Schultag.

Wie es nun dazu kam, das ich rund 3 Jahre meiner Schulzeit damit durchkam, keine Mathehausaufgaben zu machen, lest ihr in Teil 2 meines kleinen Schwanks aus meiner Jugend.

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7 Kommentare

  1. Haha genial du solltest ein Buch schreiben Basti

  2. Du böser Bub‘, du. 😀

  3. Schonmal überlegt dein Leben in einem Buch als Gesamtwerk fest zu halten oder als Kinderserie? 😀

    • Ich glaube für eine Kinderserie ist mein Leben nicht geeignet. Als Gesamtwerk betrachtet würde jede Zensurstelle die Hände über den Kopf zusammenschlagen 🙂

  4. Kennst du die Simpsonsfolge in der Bart eingeschult wird? Die Folge ähnelt stark deiner Geschichte, wenn du sie nicht kennst, empfehle ich dir sie zu gucken. 😀
    LG Annana

    • nein, die kenne ich gar nicht. Ich werde sie mir mal ansehen Annana 🙂

  5. Da fällt mir ein Schwank aus *meiner* Jugend ein:

    Hochsommer 2000 – Plötzlich quiiiietsch.Zug bleibt stehen.Durchsage > Meine Damen und Herren,durch einen Weichenfehler müssen wir anhalten, wir bekommen Gegenverkehr.Bitte haben sie Geduld.
    Alle schauen betroffen.Hitze draussen,Hitze drinnen.
    Man geht massig ins Bordbistro,trinkt ganz schön viel und ergeht sich in Szenarien, was ist wenns plötzlich knallt durch Gegenzug ?
    Man rechnet durch,wir sind in der Mitte des Zugs, es kann also alles halb so schlimm werden.Aber die Paranoia steigt.Ich fange an Gitarre zu spielen, das lenkt ab,wir beginnen zu singen, die Stimmung kippt in Galgenhumor.
    Nach über 1 Std. rauscht auf Nebengleis ein langer Güterzug vorbei.
    Durchsage> Das ging ja noch mal alles gut,wir fahren weiter.
    Vor Frkfrt. fährt Zug ganz langsam ein,wir sind alle ganz schön hackedicht, ich schaue beim aufstehen nicht nach oben und glaube ich zieh mich am Griff hoch.
    Es war leider die Notbremse.Nochmal 10 Min. warten. Die Gäste ausm Bistro verteidigten mich vor Bahnpolizei dass es ein Versehen war,
    und das wars auch glaubhaft. Anschlusszug ?
    Ich hab in Frkft. übernachtet. Denkwürdige Reise.

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