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Gepostet on Jun 3, 2015

HATRED – Ist das Kunst oder muss das weg?

HATRED – Ist das Kunst oder muss das weg?

Das Spiel Hatred vom polnischen Entwicklerteam destructive creations sorgt seit seiner Ankündigung immer wieder für Diskussionen. Darüber, warum man ein Spiel entwickelt, dessen einziger Inhalt es ist, von unendlichen Hass getrieben, wehrlose Menschen zu töten. In Hatred tut man nämlich genau dies. Massenweise sogar. Man steuert einen langhaarigen, mit einem schwarzen Mantel bekleideten Amokläufer, der von blindem Hass getrieben, schwer bewaffnet aus seinem Haus geht, um die Nachbarschaft auszulöschen. In der Schräg von oben Sicht beginnt das Spiel nach einer kurzen Erklärung der grundlegenden Steuerungselemente damit, das die Spielfigur voller Zerstörungswut und getrieben von Rache und Hass aus dem Haus tritt, mit dem Vorhaben die gesamte Nachbarschaft auszulöschen. Das Spiel macht unmissverständlich klar, was Phase ist: Töte so viel wie möglich! Alle, egal wer, mäh sie einfach um! Die meisten Zivilisten wehren sich nicht, versuchen allenfalls panisch davonzulaufen. Sinkt die eigene Gesundheit, können durch Druck auf die Q Taste verletzte „Gegner“ hingerichtet werden. Was zum einem die eigene Energieleiste wieder auffüllt, zum anderen eine kurze Zwischensequenz auslöst, in der man in Großaufnahme sieht wie der von uns gesteuerte Amokläufer die Hinrichtung vollzieht. Auf diese Weise killed man sich mehrere Stunden durch verschiedene Level und schlachtet dabei haufenweise unschuldige und vor allem wehrlose Zivilisten ab und liefert sich Feuergefechte mit anrückenden Polizeikräften, welche dieses natürlich zu verhindern versuchen. Gespielt wird wie erwähnt in der schräg von oben Sicht und rein optisch erinnert die Aufmachung ein wenig an Sin City. Düster und in schwarz grau gehaltene Umgebung, mit farblichen Akzentuierungen die meistens aus knallige Explosionen und reichlich Pixelblut bestehen. In Hatred jedoch scheint diese Optik mehr Mittel zum Zweck, als außergewöhnliches Stilmittel zu sein. Nichts lenkt ab und Blut und Explosionen kommen so mitunter besonders zur Geltung.

Hatred - geschmackloses Skandalspiel

Hatred – geschmackloses Skandalspiel

Rein technisch betrachtet, ist dies jedoch alles ein alter Hut. Top Down Ballerspiele gab und gibt es schon seit Jahren. Das man dabei massenhaft Gegner ummäht ist in diesem Spielgenre beileibe nichts Neues. Nur schießt man sich in anderen Spielen eben durch massenhaft fiktive Gegner, Zombies, Krieger, Mutanten, Roboter… was hat man als Spieler nicht schon alles weggenietet. Ohne je eine Frage nach Moral oder Sinn und Zweck der Übung zu stellen.

Hatred ist da anders. Mit seinem Amokläuferszenario und seiner im Grunde einfallslos und plumpen Inszenierung ist es besonders hasserfüllt und Menschen verachtend. Dabei ist es eigentlich kein besonderes Spiel. Zwar mag es spielmechanisch ein paar ganz nette Features haben und abgesehen von seinem Grundtenor sogar in einigen Passagen ganz solide, wenn man es denn so nennen will, „Ballerunterhaltung“ bieten, ein gutes Spiel ist es rein technisch gesehen jedoch längst nicht. Allenfalls durchschnittliche Ballerkost, die ohne ihr Skandal-Szenario wohl kaum Beachtung bei Spieler und Öffentlichkeit erhalten hätte.

In kurzen Zwischensequenzen richtet der Spieler Menschen hin um Lebensenergie zu regenerieren.

In kurzen Zwischensequenzen richtet der Spieler Menschen hin um Lebensenergie zu regenerieren.

Was das Spiel dann eben doch zu etwas, wenn auch in einem negativen Sinne, Außergewöhnlichem macht, ist sein von vorne herein als Provokation ausgelegtes Szenario. Der Amokläufer, der von Hass getrieben, massenhaft Menschenleben auslöscht. stumpfsinnig inszeniert und mit oftmals grundlegend langweiliger und sich wiederholender Spielmechanik, die jedoch durch die Gewalttätigkeit des Amokläuferszenarios bisher so noch nicht dagewesen ist. Obwohl auch das nicht so recht stimmen mag. Spiele wie Manhunt oder The Punisher sorgten in der Vergangenheit ebenfalls schon für empörtes Aufschreien. Hatred jedoch bleibt durch den stumpfen Hass seiner Spielfigur ein außergewöhnlich brutales Spielerlebnis, das man durchaus als abstoßend bezeichnen kann.
Stumpfsinn, Gewalt und menschenverachtender Hass als Stilmittel?
Kulturmedien bedienen sich mitunter solchen Mechaniken. Kunst darf meiner Meinung nach weh tun, darf aufrütteln, darf schockieren, sie darf sogar geschmacklos sein, wenn sie denn irgendeinen Anspruch verfolgt. Man kann darüber streiten ob es geschmacklos ist, wenn sich ein Marilyn Manson auf der Bühne ein Mikrofon in den Hintern schiebt, wenn krasse Musik von Kritikern als Lärm bezeichnet wird, wenn Theaterinszenierungen skandalträchtig daherkommen, aufwühlen, verstöhren und geltende Normen und Grenzen in Frage stellen. Stumpfe Gewalt und Hass jedoch als Alleinstellungsmerkmal reicht meiner Meinung nicht aus.

Düstere Ballerei, die technisch und spielerisch wenig eindrucksvoll ist, und ausschließlich  durch die stumpfe Gewalt beeindruckt. Im negativen Sinne!

Düstere Ballerei, die technisch und spielerisch wenig eindrucksvoll ist, und ausschließlich durch die stumpfe Gewalt beeindruckt. Im negativen Sinne!

Hatred ist zwar als Videospiel irgendwo ein Kulturmedium, jedoch meiner Meinung nach noch lange keine Kunst. Anspruch, Gesellschaftskritik, Kritik an der Political Correctness anderer Videospiele? Wo denn? Hatred stellt keine Fragen und beantwortet auch keine. Es wirft den Spieler in ein mittelmäßiges Ballerspiel, welches von blanker Gewalt, Hass, kranker Amokläuferphantasie und Stumpfsinn geprägt ist. Stumpfe Gewalt als provokatives Stilmittel? Nein! Absolut nicht! Allenfalls als effekthaschendes Mittel, um ein mittelmäßiges Spiel in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken und somit lediglich verkaufsfördernd wirkt.
Aber darf man das? Oder vielmehr sollte man das dürfen? Offensichtlich zieht Hatred gerade aus dieser Diskussion seinen Nutzen. Auf Steam und diversen Keyshops ist Hatred zur Zeit eines der meistverkauften Spiele. Die Diskussion um die Gewalt eines eigentlich schlechten Spiels liefert kostenlose Werbung und die Provokation geht für die Entwickler auf. Das geschmacklose Gewalt Szenario entlarvt sich selbst als verkaufsförderndes Alleinstellungsmerkmal. Fast könnte man meinen, hier wird aus Scheiße Gold gemacht.
Anspruch, Gesellschaftskritik all das, wo Videospiele im Grunde unendlich viel Potential beinhalten, weil sie eben anders als alle anderen Kulturmedien, den Betrachter nicht nur betrachten, sondern aktiv teilnehmen lassen. Videospiele als Kunstmedium können den Nutzer Entscheidungen treffen lassen, ihn aktiv erleben lassen können und ihn somit zum Teil der Inszenierung macht. Die Kontroverse als erlebbarer, mitbestimmender Teil der Auseinandersetzung mit Inhalten. All dieses Potential nutzen die allermeisten Videospiele nicht und insbesondere nutzt Hatred dies in keinster Weise.
Fast schon schade eigentlich, denn im Grunde bietet genau diese Diskussion viel Inhalt und unendlich viel Potential. Genau diesem Potential jedoch wird Hatred mit seiner stumpfsinnigen Gewalt eben nicht gerecht. Ganz im Gegenteil. Vor diesem Hintergrund bleibt es plump, einfallslos, geschmacklos. In seiner ganzen Gewalttätigkeit fast schon banal.

Der alten Diskussion um Killerspiele und den moralischen Verfall durch popkulturelle Erscheinungen dürfte es dennoch ein Argument in die Hände spielen.
Schon in den ersten Tagen der Ego Shooter als Pixelblut noch grob Pixelig daherkam, erregten sich die Gemüter über Spiele wie Doom oder Wolfenstein. Seinerzeit indizierte Spiele, die heute bei einem Großteil der Gamer als kultig gelten und in der Retroperspektive als Vorreiter eines Genres gehandelt werden, wirken im Vergleich zu heutigen Spielen nahezu banal. Irgendwann wird vermutlich eine weitere Entwicklerfirma versucht durch Brutalität zu schockieren. Vermutlich wird sie noch einen daraufzusetzen und versuchen noch brutaler und gewalttätiger zu sein.

Die eigentliche Frage die wir uns beim Spielen immer wieder stelle sollten, ist die nach unserem eigenen moralischen Kompass. Wohin zeigt er und wieviel Geschmacklosigkeit wollen wir uns selbst in einem Skandalspiel zumuten?
Ich habe Hatred gespielt, weil ich mir selbst ein Bild machen wollte. Im Grunde jedoch eine reine Zeitverschwendung.
Geschmackloser Schrott, der mir nicht gefallen hat. Ein Spiel das ich nicht spielen wollte, aus Interesse jedoch trotzdem getestet und anschließend gelöscht habe. Zeitverschwendung, denn bei aller Kontroverse die dieses Game mit sich bringt ist und bleibt es der plumpe Versuch eines Entwicklerteams, eiskalt kalkuliert die größtmögliche Aufmerksamkeit mit einem geschmacklosen Gewaltszenario zu erzielen und damit Kasse zu machen.
Ich für meinen Teil möchte solche Spiele nicht spielen. Ich möchte unterhalten werden und wenn mich ein Spiel schon zum Nachdenken und Diskutieren bringt, dann bitte mit Anspruch.

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1 Kommentar

  1. Die einzige Daseinsberechtigung, die dieses Spiel hat: Agressionen lieber in diesem Spiel rauslassen, als in RL. Ansonsten kommt mir das nicht auf die Platte! Danke fürs Review!

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