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Gepostet on Jul 6, 2014

Early Access – Das Geschäft mit dem frühen Zugang

Early Access – Das Geschäft mit dem frühen Zugang

Geschäftsmodell, Frustfalle oder am Ende sogar eine riesen Chance?
Early Access und Open Alpha/Beta Spiele scheinen derzeit wie Pilze aus dem Boden zu schießen. In den noch unfertigen Pixelwelten der jeweiligen Games, schießt es sich meistens jedoch längst nicht so gut, wie man es sich wünschen würde. Auf der Spieleplattform Steam tummeln sich in dieser Kategorie bereits hunderte Angebote und nahezu alle bekannte Spielemagazine tragen dieser Entwicklung bereits in neu geschaffenen Early Access Rubriken Rechnung. Grundsätzlich ist dieser Trend ja kein schlechter und die Idee dahinter, Spiele vor dem Release testen und gegebenenfalls sogar auf die Entwicklung Einfluss nehmen zu können, eigentlich sehr vielversprechend. Mir persönlich nimmt das Ganze jedoch in letzter Zeit ein wenig überhand. Zu viele Spiele, in viel zu unfertigen Stadien, überschwemmen den Markt und der Verdacht drängt sich zusehends auf, den Entwicklern läge es einzig und allein daran, schnelles Geld mit den unfertigen Titeln zu machen. Vielen, an sich guten Spielideen tut dieser Trend dabei gar nicht gut. Verschenktes Potential, wohin man auch schaut. Dabei könnten einige Games richtig groß werden, wenn sie ihre Zielgruppe nicht schon Monate vor dem eigentlichen Spielstart, mit halbgaren Entwicklungen einen frustrierenden Ersteindruck vermitteln würden. Den ersten Eindruck hat man eben nur ein mal und auch wenn allen Alphaspielern klar sein sollte, das nicht alles perfekt sein kann und viele Bugs und Fehler erst noch gefunden und beseitigt werden müssen, können genau diese Bugs das Spielerlebnis schnell zum Frusterlebnis ausarten lassen. Zumal man für den Zugang in den frühen Phasen der Spielentwicklung oftmals auch noch tief in die Tasche greifen soll. Mitunter sogar tiefer als beim späteren Release, was ja eigentlich genau andersherum sein sollte. Passt dies alles noch zusammen? Früher gewährten Spieleentwickler einem handverlesenen Publikum Zutritt zu einem Alpha Test. Man verpflichtete sich oft zum Stillschweigen und testete, probierte, suchte nach Bugs und meldete diese den Entwicklern. Im besten Falle wurde man dafür sogar auf irgendeine Art und Weise entlohnt, nicht selten bezahlt und manchmal sogar in den Credits erwähnt. Heute zahlt man einen Haufen Geld, um ein unfertiges Spiel in der Alpha spielen zu dürfen. Bugs reporten? Fehlanzeige!
Vermutlich nutzen die meisten Spieler heute den frühen Zugang einfach nur, um möglichst zeitig Leaderboards und Ranglisten zu erklimmen. Häufig haben später einsteigende Spieler dadurch kaum noch Chancen mitzuhalten, da Topscores unter ganz unterschiedlichen Bedingungen erzielt wurden.
Ärgerlich, jedoch noch viel ärgerlicher kann es sein, wenn gemeldete Bugs nach dem Release immer noch vorhanden sind und anscheinend, trotz mehrfacher Meldung, keine Priorität zum Beheben besitzen.
Warum auch? Im Grunde muss man sich selbst die Frage stellen, was einen Entwickler motiviert seinen Job zu Ende zu bringen, wenn er bereits schon lange vor der Fertigstellung ausreichend Kapital mit der Alpha verdient hat und im Grunde keinen Finger mehr rühren müsste, um seine Schäfchen ins Trockene zu bringen.
Prominentestes Beispiel ist meiner Meinung nach DayZ Developer Dean Hall. Die Idee zur DayZ Mod von ArmaII begeisterte so viele Spieler, das sich die Alpha zur Standalone bereits millionenfach verkaufte. Trotz einiger Patches, ist die Standalone meiner Meinung noch meilenweit davon entfernt jemals vernünftig veröffentlicht zu werden. Wie viele andere Spieler auch ärgere ich mich bis heute über das investierte Geld, weil das wichtigste Feature eines Zombie MMO’s bis heute nicht richtig funktioniert: die Zombies. Durch Mauern glitschende Untote und verbuggtes Movement soweit das Auge reicht. Selbst die Ankündigung auf eine komplett neue Engine lässt mich nicht in Jubel ausbrechen. Ebensowenig wie die Tatsache, das sich Chef Developer Dean Hall, kurz nach dem, finanziell sehr erfolgreichen, Start der Alpha ersteinmal in den Urlaub abmeldete.

Wäre das durchaus ambitionierte Nether im heutigen Stadium released worden, ich hätte es gefeiert.

Wäre das durchaus ambitionierte Nether im heutigen Stadium released worden, ich hätte es gefeiert.

Die Liste der Early Access Fails ist jedoch lang. Denke ich zum Beispiel an das durchaus ambitionierte „Nether“ von Phosphor Games Studio, dann weint mein kleines Spielerherz bittere Krokodilstränen aufgrund all des verschenkten Potentials. Hätten sie auf eine offene Alpha verzichtet und das Spiel so released, wie es heute ist, es wäre ein Knaller geworden. Ich erinnere mich noch gut an den ersten Tag der Alpha. Schon Stunden vor dem Start warteten zahlreiche namhafte Twitch Streamer, gemeinsam mit tausenden Viewern, in ihren Channels bei sogenannten Waitingpartys auf den Zugang. Der dadurch entstandene Hype verpuffte zusehends, weil die Spieler selbst Tage nach Erhalt des Gamekeys erst einmal stundenlang im Spectator Modus über die Map fliegen durften, bevor es gelang mit dem Server zu verbinden und in der Spielwelt zu spawnen. Definitiv kein gelungener Ersteindruck, auch wenn die Nether Devs im weiteren Entwicklungsverlauf eine Menge richtig gemacht haben und vor allem viele Ideen aus der Community in das Spiel integrierten. Die Game-Server habe ich leider dennoch nie wieder so voll erlebt, wie in den ersten Tagen der Alpha. Einige der von mir seinerzeit reporteten Glitches und Clippingfehler befinden sich sogar nach wie vor im fertigen Spiel und können benutzt werden, um anderen Spieler
den Spaß am post apokalypischen Survivor Game zu vermiesen.
Davon jedoch einmal abgesehen, bin ich überzeugt, wäre Nether so auf den Markt gekommen wie es jetzt ist, also im fertigen Zustand, es wäre ein Spiel, welches eine Menge Spieler lange und gut unterhalten hätte. So jedoch blieb der unfertige Beigeschmack in den Köpfen hängen und ein weiteres gutes Game verschoss sein Pulver viel zu früh.

Bug oder Easteregg? Warum unser eigener Schatten in der Alpha etwas kopflos wirkt? Keine Ahnung!

Bug oder Easteregg? Warum unser eigener Schatten in der Alpha etwas kopflos wirkt? Keine Ahnung!

Wenn ich so darüber nachdenke, fallen mir unzählige weitere Beispiele aus jüngster Vergangenheit ein. Werfen wir exemplarisch einen Blick auf „The Forest„. Was könnte mich dieses Spiel begeistern, wenn ich nicht schon jetzt, neugierig wie ich nun einmal bin, im frühen Alpha Stadion durch den Wald streifen würde? Explodierende Kannibalen, fehlende Storyelemente, Speicherbugs, Clippingfehler und und und. Dabei stelle ich mir ein ums andere mal die Frage, wieso man mehrere Wochen für einen Patch benötigt, durch den unter anderem der Kopf der Spielfigur im Schatten dargestellt wird? Ich meine so ein Kopf im Schatten ist keine große Sache und fällt jedem Spieler nach 5 Minuten auf, warum nicht den Devs? Ein Easter Egg oder soll so etwas schlicht und einfach davon ablenken, das einige Spielelemente, wie beispielsweise die inaktiven Mutanten, welche in The Forest bisher lediglich in Höhlen rumstehen, mitunter bewusst deaktiviert wurden, um den Alpha Spielern durch viele kleine Patches zu suggerieren, man arbeite fleißig und kümmere sich. In dem offiziellen The Forest Gameplay Trailer, sind besagte Mutanten bereits in voller Aktion zu bewundern. Ein Phänomen welches ich bereits bei mehreren Games beobachten konnte. Häufig scheinen schon sehr früh, sehr viel weiter entwickelte Spielversionen zu existieren. Doch warum bekommen wir Early Access Spieler diese erst Monate später präsentiert?

Argumente für und wieder gibt es viele. Man kann sich ärgern, aufregen, hinnehmen, diskutieren oder einfach auf den tatsächlichen Release warten. Sofern dieser denn eines Tages kommen mag. Eines ist das Modell Early Access jedoch nahezu immer: Ein für Publisher und Entwickler finanziell lukrativer Release vor dem Release.
Das derzeit von Sony Online Entertainment entwickelte Zombie MMO namens H1Z1 ist beispielsweise zum Early Access Release für einen Preis von sage und schreibe 19,99 US-Dollar angekündigt.

H1Z1 soll im Early Access für 19.99$ erhältlich sein. Zum späteren Release ist es als Free to Play angekündigt.

H1Z1 soll im Early Access für 19.99$ erhältlich sein. Zum späteren Release ist es als Free to Play angekündigt.

Das spätere, fertige Spiel hingegen soll dann als Free to Play vertrieben werden und sich hauptsächlich über einen InGame Shop finanzieren.
Ob man es nun glauben mag oder nicht, ich bin davon überzeugt, das sich der kostenpflichtige H1Z1 Early Access aufgrund des derzeit erzeugten Hypes, ebenso millionenfach verkaufen wird, wie eine DayZ Standalone.

Warum aber Geld für etwas Unfertiges bezahlen, das ich später als fertiges Produkt kostenlos spielen kann? Die Faszination der Mitgestaltung, kollektiver Reinfall auf eine geschickte Werbemasche oder doch einfach schlichte Neugier?
Ein wenig fühle ich mich bei all den Alphas und Betas dieser Tage an meine Kindheit erinnert. Jedes Jahr aufs Neue versuchte man im Dezember jeden noch so kleinen Hinweis auf sein Weihnachtsgeschenk zu erhaschen. Natürlich sagt einem der Verstand, das man sich die Freude auf den Moment verdirbt, in dem man an Heilig Abend hastig und mit leuchtenden Augen das Geschenkpapier von seinem neuen Lieblingsspielzeug entfernt. Vermutlich haben dennoch die Meisten von uns sich trotzdem schon einmal auf die Suche nach dem elterlichen Geschenkversteck begeben. Ebenso bin ich davon überzeugt, wenn der Weihnachtsmann uns für eine kleine Gebühr schon einige Wochen früher mit unserem Geschenk hätte spielen lassen, wir wären vermutlich schon damals der Versuchung erlegen…

In diesem Sinne, angenehmes Alpha testen.

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  1. The Flame in the Flood | video games and more - […] Moment befindet sich das Spiel im Early Access Status und es ist lediglich ein Endlos Modus spielbar, welcher schon…

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