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Gepostet on Jul 23, 2014

Demografischer Wandel im Internet

Demografischer Wandel im Internet

Gedankenverloren starrte ich hinaus auf das Strasse. Es war ein sonniger Vormittag, die Vögel zwitscherten und der Himmel war herrlich blau. Normalerweise stehe ich um diese Zeit natürlich nicht vor dem Fenster und gucke auf die Strasse. Für gewöhnlich sitze ich, wie wohl die meisten Computerfreaks, sobald ich aufwache, vor meinem Computer und beschäftige mich mit all den Dingen die das Internet so zu bieten hat.
An diesem Vormittag aber war es anders. Das schöne Sommerwetter erweckte meine Aufmerksamkeit. Anstatt mich weiter auf den Bildschirm zu konzentrieren, blickte ich aus dem Fenster und starrte hinaus in die Welt. Minutenlang verharrte ich. Schließlich legte ich meine Ellenbogen auf das Fensterbrett und stütze nachdenklich meinen Kopf ab.
So weit war es also gekommen. Da geht man hart auf die 35 zu und schon steht man, wie alle alten Säcke es nun einmal tun, den halben Tag vorm Fenster und glotzt auf die Strasse. Zwar fühle ich mich noch gar nicht so alt, aber man selber merkt sowas ja meisten eh erst wenn es viel zu spät ist. Beispielsweise, wenn einem die Pflegerin im Altersheim irgendwann zur Seite nimmt und einem schonend erklärt, das twitch.tv schon seit etwa 30 Jahren von Livestream3000 geschluckt wurde. Dies passiert etwa zur selben Zeit, zu der die Enkelkinder peinlich berührt die Augen verdrehen, wenn man auch nach ihrem zehnten Erklärungsversuch einfach nicht versteht, wie man mit dem subkutan Chip werbe frei die neuerdings total angesagte Musik von… und die Namen dieser neumodernen Künstler kennt man sowieso alle schon lange nicht mehr.
Irgendwann wird es so kommen.. Auch für uns ach so technikorientierten Videospieljunkies wird eines Tages eine Zeit anbrechen, in der wir mit dem rasenden Fortschritt der Technik einfach nicht mehr mitkommen werden. Irgendwann resignieren wir. Zunächst retten wir uns eine Zeit lang in die belächelte Ecke der Nostalgiker, bis wir schließlich gar nicht mehr mitkommen und abschalten.
Zugegeben, wir werden nicht alleine mit unseren Problemen sein und vor allem werden wir uns durch unsere alten Verbindungen in den sozialen Netzwerken des ehemaligen Web 2.0 gut miteinander vernetzen.
Unser Hauptproblem aber wird unsere Inkompatibilität und unsere starke Verweigerungshaltung gegen diese neumodernen unter die Haut verpflanzbaren Microprozessoren sein.
Unsere Kinder haben uns noch belächelt, als wir meinten, das sowas nicht gesund sein kann, weil ja die Langzeitfolgen noch gar nicht ausreichend erforscht sein. Unsere Enkel könnten sich schon gar kein Leben mehr ohne vorstellen und wir kommen entweder mit der Bedienung nicht klar, oder lehnen die Chips kategorisch ab.
Am weitesten verbreitet sind jedoch rein körperliche Inkompatibilitäten mit diesen fortschrittlichen Geräten, da unsere Körper jahrelang der gefährlichen Strahlung von altmodischen Handygeräten ausgesetzt waren. Aus diesem Grund sind wir einfach nicht mehr in der Lage subkutane Microprozessorgeräte einwandfrei in unsere Zellen zu installieren. So sitzen wir also noch immer vor völlig veralteten World Wide Web fähigen Computern und surfen nach wie vor im www anstatt im mmm, dem Mind Made Medium. DAS neuen Ding der Zukunft.

Ja, auch wir werden älter, aber unsere Technik von damals hilft uns trotzdem. Auf unserer Lieblingsplattform dem RentnerVZ gruscheln wir uns, um uns gegenseitig an die Einnahme unserer Medikamente zu erinnern. Natürlich bestellt in der Online Apotheke.
Auf, für unsere Altersgruppe optimierten Webseiten, wie “Das Internet darf kein Diabetis Melitus freier Raum sein.”, “Apotheke Online” und “www.MMM-ist-ein-Arschloch.com tauschen wir uns über alles aus, was uns bewegt. Oft und viel wird jetzt über Krankheiten, Medikamente und Wehwehchen gesprochen. Technikthemen sind eher die Ausnahmen. Es sei denn natürlich, es geht um die Ächtung des Mind Made Mediums und das ein oder andere nostalgische Videospiel aus der guten, alten Zeit.
Was uns bei all dem aber am meisten zu gute kommt, ist unser jahrzehntelanges akribisches posten von alltäglichen Statusmeldungen. Durch all die grundsätzlich total unwichtig erscheinenden Facebook und Twitter Posts sind wir in der glücklichen Lage, unseren immer stärker zu Tage tretenden Alzheimererkrankungen entgegenzuwirken. Egal was wir vergessen, in unseren Statusmeldungen können wir es nachlesen. Durch diese neue Form des sogenannten Remind Bloggings verändert sich recht viel in den Sozialen Netzwerken. Interessanter Traffic ist so gut wie ausgestorben. Das alte Netz besteht fast nur noch aus Einträgen wie “Der Tag beginnt mit Brillesuchen” und die immer älter werdenden User unterstützen sich gegenseitig mit allerlei hilfreichen und lebenspraktischen Kommentaren.

Heute vielleicht noch Computerkid, Gamer, E-Sportler, Streamer und morgen? Morgen werden wir die erste Generation sein, die ins Altersheim einzieht und aus deren Zimmer unerträglich laute mp3 Musik dudeln wird. Dabei sitzen wir dann brav in unseren Rollstühlen vor Computern, sowie altmodischen Spielekonsolen und zocken uns durch unser Restleben. In nächtelangen Gamesessions verpulvern wir die letzten Reste unserer Rente mit Pro Accounts. Ja, wir werden noch Rente bekommen. Allerdings nur, weil eine kleine Videostreamplattform namens twitch.tv irgendwann so viel Geld verdiente, das sie sich durch einen geschickten Schachzug zunächst von Youtube aufkaufen lassen und nur wenig später Google übernehmen konnte. Das kurz zuvor eingekaufte Megamicrobloggingunternehmen Twitter 5.0, mit welchem man Statusmeldungen aus lediglich 12 Zeichen verschicken konnte, wurde an den absoluten Durchstarter Livestream3000 veräußerte. Den gesamten Erlös investierte twitch.tv damals in einen Rentenfond für Gamer.

Damit aber nicht genug. Uns geht es prima und wir fühlen uns glücklich und zufrieden in unserer selbst gewählten Isolation. Einen Großteil unseres Lebens verbrachten wir sowieso alleine vor dem Rechner und durch das jahrzehntelang intensivierte Selbstgespräch über Tweets, Blogposts und Facebookbeiträgen haben wir jegliches Gefühl dafür verloren, ob uns jemand zuhört oder nicht.
Es geht uns gelinde gesagt am verschrumpelten Arsch vorbei.
Wir leben gerne in unserer eigenen Welt. Es ist Ok dort. Man kennt uns da und wir vermissen die sogenannte wirkliche Welt so gut wie nicht.

Mein auf der Fensterbank eingeschlafener Arm riss mich aus meinen Gedanken. So könnte es natürlich auch sein, wenn man langsam älter wird. Den ganzen Vormittag trödelt man vor der Fensterbank rum, Mittagessen, dann ein kleines Schläfchen und Nachmittags geht man zu irgendeiner öffentlichen Baustelle in die Innenstadt und hält ein Schwätzchen mit den Arbeitern. Dann Kännchen Kaffee und Abends ‘nen Krimi…

Vielleicht sieht die Zukunft jedoch auch ganz anders aus. Irgendwie… digitaler vielleicht?

(Um Rechtschreibfehler und Zeichensetzung zu korrigieren fühle ich mich heute einfach zu alt.
Bitte denken sich sich die entsprechende Orthographie einfach dazu. Danke!)

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3 Kommentare

  1. „Morgen werden wir die erste Generation sein, die ins Altersheim einzieht und aus deren Zimmer unerträglich laute mp3 Musik dudeln wird.“

    Jaja, wird super, wenn später im Altersheim LAN-Parties stattfinden und einer der alten Herren schreit: „JA MANN, ICH HAB DAS GANZE GEGNERTEAM AUSGELÖSCHT!!1“

    • Klingt eigentlich schon wieder witzig. Nur unsere Blutdrucktabletten dürfen wir nicht vergessen 😉

      • Nicht zu vergessen unsere lieb gewonnen ASS als Blutverdünner gegen die gefährliche Blutklümpchen 😉

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